Koltzk/Bröer wachsen "Flügel" auf dem Weg zum DM-Titel

Sie strahlten bei der Siegerehrung um die Wette: Die Sieger Stephan Koltzk und Jan Martin Bröer (Mitte), eingerahmt von Andreas Penkner (v.l.), Jochen Urban, Jan Tebrügge und Ulf Siemes.
Gut sieben Minuten knisternde Spannung. Die Lautsprecher-Durchsagen verheißen eine große Überraschung. Zwischendurch zwei Längen Vorsprung, am Ende nur noch eine halbe Sekunde: Stephan Koltzk und Jan Martin Bröer vom Dortmunder Ruderleistungszentrum sind die neuen Deutschen Meister im Zweier ohne Steuermann.

Wichtiger aber: Sie haben ein dickes Ausrufezeichen für die Nominierung des Deutschland-Achters gesetzt. Bundestrainer Dieter Grahn wird wohl erneut nicht an den beiden vorbei kommen, die mit dem Athen-Achter Vierter wurden. „Obwohl Stephan über ein großes Kraftpotenzial verfügt, galt er ja nicht gerade als prädestinierter Zweier-Fahrer. Heute hat er uns vom Gegenteil überzeugt”, sagte Grahn, der ein zufriedenes Fazit zog. Schließlich landeten fünf Zweier vom Dortmunder Stützpunkt auf den ersten fünf Plätzen. Ebenso wie Koltzk und Bröer hätten die Zweitplatzierten Andreas Penkner/Jochen Urban sowie die Dritten Ulf Siemes/Jan Tebrügge jetzt „die besseren Karten” für einen Rollsitz im Flaggschiff des deutschen Ruderverbandes. „Koltzk/Bröer haben positiv überrascht, die beiden anderen Paare haben sich beständig reingerudert”, so Grahn.
Für das vierte Zweier-Pärchen bieten sich die Cambridge-Studenten Bernd Heidicker/Sebastian Schulte (4.) sowie Sebastian Thormann/Thorsten Engelmann (5.) an. Grahn will die anstehenden Rennen in Essen sowie bei den Weltcups in Eton, München und Luzern nutzen, um die beste Achter-Kombination für die Weltmeisterschaften in Gifu (Japan) zu finden.
Denkbar knapp war der Zieleinlauf: Koltzk/Bröer (unten) schoben ihren Bugball noch eine halbe Sekunde früher über die Ziellinie als die herangekommenen Penkner/Urban.
In Köln schockten Koltzk/Bröer die Konkurrenz mit ihrem fulminanten Start. „Nach schlechten Vorleistungen und schwachem Vorlauf hatten wir nichts zu verlieren”, meinte Koltzk. Auf der Streckenmitte lagen sie zwei Längen vor dem Feld. „Dieses Gefühl hat uns Flügel verliehen. Den Sieg wollten wir uns nicht mehr nehmen lassen”, fügte Bröer hinzu. Doch beinahe hätten ihnen Penkner/Urban, die als Fünfte die 1 000-Meter-Marke passierten und Boot um Boot überholten, mit der höheren Endgeschwindigkeit noch den Spaß verdorben. Fünf Zehntel Sekunden fehlten den „Youngstern”, die aber aufgrund der furiosen Aufholjagd ebenfalls allen Grund zum Jubeln hatten. Penkner: „Nach Platz fünf sind wir froh, dass wir noch ins Rennen gefunden haben. Wir sind mit Platz zwei zufrieden. Es hätte schimmer kommen können.”

Mehr ausgerechnet hatten sich hingegen Heidicker/Schulte, im Vormonat mit dem Cambridge-Achter noch im legendären Boat-Race unterlegen. Als Vierte haben sie zwar ihre Achter-Ansprüche untermauert, „unsere Messlatte liegt aber woanders. Wir hätten uns schon mindestens eine Medaille gewünscht”, sagte Heidicker, der leicht angeschlagen ins Rennen gegangen war und über Kräftemangel klagte.

Denkbar knapp hatten Michael Ruhe und Hanno Wienhausen den Sprung ins A-Finale verpasst. In einem bis zum letzten Schlag spannenden Halbfinale mussten sie sich mit lediglich vier Zehntel Sekunden aus Siemes/Tebrügge und sieben Zehntel Sekunden auf Jan Herzog/Ike Landvoigt mit Platz vier zufrieden geben. Herzog/Landvoigt landeten im A-Finale schließlich abgeschlagen auf Rang sechs. Ruhe/Wenhausen mussten sich im B-Finale mit Platz drei begnügen. Enttäuscht war Bundestrainer Dieter Grahn hingegen von Jan Kühne/Jörg Dießner (5. im B-Finale) und Johannes Doberschütz/ Matthias Flach (2. im C-Finale). Grahn: „Mir bereitet es einige Bauchschmerzen, wenn ich an die Besetzung von Vierer und Zweier denke.“ Die Kandidaten für den Deutschland-Achter hingegen scheinen gerüstet für die Saison mit dem Höhepunkt bei der WM in Gifu.

In Köln nicht an den Start gehen konnten Gregor Hauffe und Toni Seifert, nachdem sich Hauffe aufgrund eines verschleppten Virus’ nicht voll auf der Höhe befunden hatte.
Freudige Umarmung: Die Überraschungs-Sieger Jan Martin Bröer und Stephan Koltzk.

Zweier ohne Steuermann: 1. Stefan Koltzk / Jan-Martin Bröer (SV Oderhort / RV „Weser“ Hameln von 1885) 7:18,30 Min.; 2. Jochen Urban / Andreas Penker (RC Undine Radolfzell / Crefelder RC), 7:18,80; 3. Ulf Siemes / Jan Tebrügge (Osnabrücker RV / RV Oberhausen) 7:22,35; 4. Bernd Heidicker / Sebastian Schulte (RV Wanne-Eickel / RG Wiesbaden-Biebrich) 7:24,90; 5. Sebastian Thormann / Thorsten Engelmann (RG Wertheim / RC Tegel Berlin) 7:27,20; 6. Jan Herzog / Ike Landvoigt (Ruderklub am Wannsee Berlin / Berliner Ruder-Club) 7:36,75

B-Finale: 1. Jan Müller / Falk Müller (RC Hamm) 7:21,98; 2. Phillip Adamski / Urs Käufer (Ulmer RC / Mannheimer RG Baden) 7:23,50; 3. Hanno Wienhausen / Michael Ruhe (RTG Wesel / RV „Weser“ Hameln von 1885) 7:25,45; 4. Daniel Holert / Richard Nagel (Hamburger Germania / Geesthacht) 7:25,45; 5. Tobias Kühne / Jörg Dießner (Hannoverscher Ruder-Club von 1880 / Dresdner RC) 7:29,70; 6. Jan Dehoust / Sebastian Schmidt (Mainer RV / Wormser RC Blau-Weiß) 7:37,15.

C-Finale: u.a. 1. Philipp Narvku / Florian Schercher (HRV Böllberg Nelsen / Ulmer RC) 7:13,35; 2. Matthias Flach / Johannes Doberschütz (ORC Rostock / Akademischer RV Leipzig) 7:13,95.

24.04.05 | von Carsten Oberhagemann