Martin Sauer
Steckbrief
Berliner Student steuert den Deutschland-Achter (Berliner Morgenpost, 20.06.2009)
Interview mit...
Wie bist du zum Rudern gekommen?
Ich bin mit zwölf Jahren in Ost-Berlin gesichtet worden. Damals wurde noch unmittelbar in der Schule nach Talenten gesucht. Zunächst hatte man die größeren Schüler ausgewählt, ein wenig später suchte der Trainer dann auch noch kleinere Schüler für die Besetzung der Steuermann-Position. Es war und ist für mich wie ein „Gottesgeschenk“, dass der Trainer noch einmal zurück kam und mich ausgewählt hat.
Welchen Sportarten gehst du sonst noch nach?
Ich mache alles, was wir im Training als Ausgleichssportarten machen. Für eine Sportart neben dem Rudern und dem Training bleibt keine Zeit.
Was ist dein schönstes Rudererlebnis?
Das schönste Rudererlebnis darf ich häufiger erleben. Es ist der Moment, wenn alles ruhig, wenn es windstill ist. Morgens, wenn das Wasser am Boot vorbei gezogen wird und der Achter anfängt zu laufen. Es gibt nichts Besseres!
Was ist dein verrücktestes Rudererlebnis?
Ich erinnere mich an eine Schülerregatta in Hannover. Unser Bugmann hatte vor dem Wettkampf zu viel Asthmaspray genommen und musste sich übergeben und schließlich auf dem Wasser von der DLRG gerettet werden. Alle lachten uns aus. Das haben wir aber nicht auf uns sitzen lassen. Wir sind dann statt mit vier Mann zu dritt weiter gefahren, Zweiter geworden und haben den Sieg nur ganz knapp verpasst, aber den Respekt der anderen gewonnen. Und das Lachen war verstummt.
Dein Lieblingswettkampf/-rennen?
-
Welche Sportler/Menschen sind deine Vorbilder?
Ich habe Respekt vor den Leistungen der anderen, aber ich möchte keinen kopieren und habe deswegen kein klassisches Vorbild.
Was macht für dich den Mythos Deutschland-Achter aus?
Es ist die lange und erfolgreiche Tradition des Deutschland-Achters. Nun selbst ein Teil der Geschichte zu sein und sie weiter schreiben zu dürfen, ist eine große Ehre.
Wenn der Achter ein Auto wäre, welches wäre er?
Von der Geschwindigkeit und Eleganz aus betrachtet wäre er ein Ferrari, aber er muss hart arbeiten und schuften wie ein Traktor.
Deine Position im Boot?
Steuermann.
Was zeichnet die Position aus?
Der Steuermann steuert nicht nur das Boot, er hat auch eine hohe Verantwortung für das Team und genießt das Vertrauen, auf und neben dem Wasser Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig ist er aber ein Teil der Mannschaft und nicht der Trainer. Er koordiniert das Zusammenspiel und motiviert zu Bestleistungen.
Was bedeutet Olympia für dich? Was verbindest du damit?
Olympia ist das Ziel der Sportlerkarriere und ein unvergleichliches Sportfest. Ich will unbedingt in London 2012 dabei sein und wenn ich dort bin, so viel wie möglich mit dem Deutschland-Achter erreichen.
Was ist dein Olympia-Traum?
Gold mit dem Deutschland-Achter im Heimatland des Ruderns gewinnen.
Was würdest du machen, wenn ihr Olympiasieger werdet?
Da habe ich mir noch nichts vorgenommen. Aber vielleicht würde ich endlich mal zwei Wochen am Stück richtigen Urlaub machen.
Was bedeutet für dich, dass die Olympischen Spiele im Heimatland des Rudersports stattfinden?
Die Ruderwettkämpfe werden dort sich etwas besonderes sein. Rudern ist in England auf einer Ebene wie zum Beispiel Fußball oder Tennis. Die Begeisterung der zahlreichen Fans wird sehr groß sein und ich erwarte einen der beeindruckendsten Ruderwettkämpfe aller Zeiten.
Welche Teams siehst du als Hauptkonkurrenten um den Achter-Titel?
Großbritannien wird als Gastgeber ein großer Mitfavorit sein. Nicht zu unterschätzen ist Australien und niemals zu unterschätzen sind die Amerikaner, die den Achter stets als ihr Aushängeschild begreifen.


