Weißenfeld und Johannesen: vom Geheimtipp zum Favoriten


Als Ersatzfahrer bei Olympia in Rio haben Johannes Weißenfeld und Torben Johannesen als Duo zusammengefunden.


Die beiden haben sich im Zweier gut aufeinander eingespielt...


...und gemeinsam einige Erfolge gefeiert.


Auch privat verstehen sich Johannesen (li.) und Weißenfeld gut.




 

Seit der Rückkehr aus dem Ski-Trainingslager in St. Moritz rudern die Athleten aus dem „Team Deutschland-Achter“ in ihren Zweiern wieder mit Feuereifer über den Dortmund-Ems-Kanal. Alle haben dabei ein klares Ziel vor Augen: im April bei der Langstrecke in Leipzig und der folgenden Kleinbootmeisterschaft in Essen vorne zu landen, um einen der begehrten Rollsitze in den nationalen Booten zu ergattern. Wir stellen in den kommenden Wochen einige der Duos vor, heute Johannes Weißenfeld und Torben Johannesen.

Der Zufall brachte sie zusammen
Der Zufall brachte Johannes Weißenfeld und Torben Johannesen zusammen in ein Boot: Beide waren bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro als Ersatzfahrer vorgesehen. Kurz vor den Olympischen Spielen saßen sie deswegen beim Weltcup in Posen erstmals gemeinsam bei einem Wettbewerb im Zweier und landeten nach gerade einmal acht Tagen Vorbereitungszeit in einem starken Feld direkt auf Platz sieben. „Der Weltcup war sehr entscheidend für unsere Entwicklung, da konnten wir wichtige Erfahrungen sammeln und sehen, dass wir mithalten können“, sagt Johannesen: „Wir haben von Anfang an gut harmoniert.“

Zwölf Zentimeter Unterschied
Weißenfeld hat die ersten gemeinsamen Einheiten noch als „etwas holprig“ im Erinnerung: „Es hat sich dann aber schnell herauskristallisiert, dass es richtig gut funktioniert. Wir ergänzen uns einfach prima. Torben ist ein starker Schlagmann, er gibt den Rhythmus gleichmäßig vor – da kann ich mich gut anpassen.“ Johannesen, mit einer Körpergröße von 1,88 m zwölf Zentimeter kleiner als sein Ruderpartner, gibt das Lob sofort zurück: „Johannes ist technisch einer der besten Ruderer und super stabil. Er passt sich immer perfekt an. Obwohl wir uns körperlich unterscheiden, sind wir sehr kompatibel. Auch privat verstehen wir uns gut. Ich bin froh, dass ich mit ihm in einem Boot sitze.“

Junges Duo mausert sich zum schnellsten Zweier
Nach Olympia, wo die beiden als Ersatzfahrer dabei waren, aber nicht zum Einsatz kamen, nahm sich das junge Duo vor, in der neuen Saison anzugreifen – was auf beeindruckende Art und Weise gelang. Durch den Sieg bei der Frühjahrs-Langstrecke in Leipzig und den zweiten Platz bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften in Krefeld sicherten sich Weißenfeld und Johannesen zwei Rollsitze im Deutschland-Achter, mit dem sie anschließend eine Siegesserie sondergleichen hinlegten, gekrönt vom WM-Titel in Florida.

„Es war schon super, dass wir zeigen konnten, dass wir nicht einfach nur 'die Jungen' im Team sind“, blickt Johannesen zurück. Weißenfeld fügt hinzu: „Dass wir so konstant unsere Leistungen bringen konnten, hat unser Standing im Team schon etwas verändert und uns auch jede Menge Selbstvertrauen gegeben.“ Das ist bis heute ungebrochen. Beim ersten Härtetest der Saison 2017/18 auf der Langstrecke in Dortmund lag das Herdecker-Hamburger-Duo schon wieder ganz vorne, ließ sich auch vom Schneegestöber und den kalten Temperaturen nicht stoppen.

Ziele sind klar definiert
Bislang haben die beiden in diesem Jahr erst wenige Trainingskilometer gemeinsam absolviert, weil Torben Johannesen hauptsächlich in Hamburg weilt. Ab der kommenden Woche soll sich das ändern, dann trainiert der 23-Jährige immer an vier Tagen in der Woche am Leistungsstützpunkt Dortmund. „Bei uns passt es, aber es tut jetzt auch mal wieder gut, mehr gemeinsam im Zweier zu sitzen“, sagt Weißenfeld: „Wir wollen das nächste Level erreichen.“

Dementsprechend haben sich die beiden für die kommenden Aufgaben hohe Ziele gesteckt. „Wir wollen konstant bleiben und zeigen, dass man mit uns rechnen muss. Wir wollen zu den besten Zweiern Deutschlands gehören“, sagt Johannesen. Weißenfeld wird da etwas konkreter: „In der nationalen Qualifikation wollen wir uns durchsetzen und uns damit wieder für den Deutschland-Achter qualifizieren.“


01.02.2018 | von Felix Kannengießer