Holtmeyer leitender Bundestrainer – Bender bleibt Achter-Trainer


Ralf Holtmeyer


Ralf Holtmeyer (61) wird leitender Bundestrainer des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Im Interview berichtet er über die neue Herausforderung, die er nach über 30 Jahren als Disziplin- und Bootstrainer am Ruderleistungszentrum Dortmund übernimmt.

Herr Holtmeyer, wie kam es dazu, dass Sie die Position des leitenden Bundestrainers übernehmen werden?
Ralf Holtmeyer: Siegfried Kaidel hat mich gefragt, ob ich für so eine Aufgabe zur Verfügung stünde. Das war schon einmal ganz kurz nach den Olympischen Spielen in London ein Thema, aber damals wollte ich nicht. Diesmal war die Situation eine andere. Der Riemenbereich läuft ja gut und ich hatte ein Jahr Zeit, mir die Gesamtsituation aus der Distanz anzuschauen. Darüber hinaus stehe ich ja für die Konzentration in den Stützpunkten und auf der politischen Ebene, etwa bei Länderratssitzungen, war ich ja schon häufiger aktiv.

Wie leicht oder schwer ist es Ihnen gefallen, Ja zu sagen?
Ralf Holtmeyer: Entscheidend war, dass wir in Dortmund mit dem gesamten Riemenbereich einen guten Lauf hatten. Man kann Dortmund nicht imitieren. Aber ich denke, dass gewisse Prinzipien von hier in den Verband ausstrahlen können. Dabei muss man sicherlich die jeweiligen Lagen an den anderen Standorten berücksichtigen, aber ein paar Herangehensweisen können aus Dortmund übernommen werden: zum Beispiel die konsequente U23-Arbeit, die Verschachtelung von Studium, Ausbildung und Training, die Zusammenarbeit der Trainer im Team.

Ich mache mir schon ein paar Sorgen im DRV. Im Moment haben wir generell eine kleine, nacholympische Delle. Wichtig ist, dass wir uns die richtigen Fragen stellen müssen, wie es weitergeht. Man darf nicht die Orientierung verlieren. Man muss andererseits auch in einen konsequenten Dialog mit den leistungssportorientierten Vereinen treten, die sich ja auch einen Kopf darüber machen, wie es im deutschen Rudersport weitergeht.

Was sind nun Ihre wichtigsten Ansatzpunkte und Aufgaben?
Ralf Holtmeyer: Zunächst benötige ich mehr Informationen über die generelle Sachlage in den anderen Bereichen. Letztlich sind zwei Faktoren ganz wichtig: einmal das Talent, das die Sportler mitbringen, und das Training. Und das andere ist das Organisatorische. Ziel muss sein, die politischen Diskussionen aus dem Trainingsprozess herauszuhalten.

Was wird sich an der Trainerstruktur am Stützpunkt Dortmund ändern?
Ralf Holtmeyer: Darüber muss man im Einzelnen reden. Aber klar: Uwe Bender wird weiter verantwortlicher Trainer vom Deutschland-Achter sein und auch als Disziplintrainer für den Männer-Riemenbereich zuständig sein. Aber im Moment gehen meine Gedanken nicht primär zum Achter, sondern richten sich auf die anderen Bootsklassen. Entscheidend ist, dass wir das Flaggschiff – also den Achter – auf Kurs halten und gucken, dass die anderen Boote den Anschluss halten. Dabei ist bedeutend, dass man die Meinungen der Boots- und Disziplintrainer anhört, wenn man deren Verantwortlichkeit stärken will.

10.11.17 I Interview: Carsten Oberhagemann