Achter gewinnt Hitzeschlacht und zieht ins WM-Finale ein


Vorlaufsieg in der Hitze Floridas: Der Deutschland-Achter ist auf Kurs...


...Richtung Zielturm.


Nach dem Rennen wurden direkt Kühlwesten angezogen...


...und die Körper im Eisbecken abgekühlt.


Mit einem Sieg im Hoffnungslauf ins WM-Finale: der Zweier mit Steuermann.


Aufmuntern vor dem Start: Finn Schröder und Geburtstagskind Malte Großmann.


In der Hitze Floridas hat der Deutschland-Achter einen kühlen Kopf bewahrt und ist mit einem letztlich souveränen Vorlaufsieg auf direktem Weg ins WM-Finale (Sonntag, 11.12 Uhr Ortszeit/17.12 Uhr MESZ, live im ZDF) eingezogen. Bei 33 Grad Celsius, purem Sonnenschein und Windstille setzte sich das deutsche Ruder-Flaggschiff vor WM-Gastgeber USA und Rumänien durch. „Es war noch kein optimales Rennen. Die hohen Temperaturen sind schon sehr belastend“, sagte Hannes Ocik.

Bis zur Streckenhälfte lag der Deutschland-Achter knapp in Führung, vor allem der US-Achter übte permanent Druck aus. Doch auf den dritten 500 Metern setzte sich der Europameister mit einem guten Streckenschlag und Zwischensprints entscheidend ab und arbeitete sich eine Führung von einer halben Bootslänge heraus. Im Ziel betrug der Vorsprung gut eine Sekunde. „Das war ein solides Rennen und es ist ein gutes Zeichen, wenn man auch mit einem nicht perfekten Rennen international bestehen kann“, sagte Torben Johannesen nach seinem ersten Achterrennen bei einer A-WM, das schon extrem war, wie er feststellte: „Kurz nach dem Start ging gar kein Lüftchen und ich dachte: Wo ist der Sauerstoff? Das war brutal. Heute war der gefühlt heißeste Tag.“

Direkt nach der ersten Hitzeschlacht im feuchtheißen Sarasota begann die Vorbereitung aufs Finale. Der Achter legte am Steg im Zielbereich an, die Athleten tranken isotonische Getränke und zogen Kühlwesten an, die aus der Kühlbox kamen. Wenig später stiegen sie ins Eisbecken, um die stark erhitzten Körper schnell wieder auf Normaltemperatur herunterzukühlen. Fünf Tage hat die Mannschaft nun Zeit, sich weiter an die extremen Bedingungen zu gewöhnen, um dann die bislang ungeschlagene Saison zu krönen: „Wir werden uns voller Tatendrang auf Sonntag vorbereiten. Im Finale müssen wir uns dann aber definitiv steigern“, sagte Ocik. Ein Gegner steht schon fest: Die Italiener setzten sich im zweiten Vorlauf überraschend durch. Die als Hauptkonkurrenten abgesehenen Holländer und Briten müssen dagegen in den Hoffnungslauf.

Weitere Stimmen:
Uwe Bender: „Das war kein optimales Rennen. Vom Profil ist die Mannschaft aber relativ gleichmäßig gefahren. Die Amerikaner waren der erwartet starke Gegner bei deren Heim-WM, sie haben über die ganze Strecke gedrückt. Wir stehen im Finale, das wir jetzt sehr genau und sehr gut vorbereiten müssen.“
Martin Sauer: „Wir sind eine Runde weiter, abhaken, weiter geht’s. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um uns aufs Finale vorzubereiten. Die werden wir auch brauchen.“
Torben Johannesen: „Technisch sind wir super gerudert. Wir brauchen im Finale keine Wundertüte, sondern müssen nur abrufen, was wir können.“

Gesteuerter Zweier mit tollem Sieg im Hoffnungslauf
Mit einem beeindruckenden Sieg im Hoffnungslauf zog auch der Zweier mit Steuermann ins Finale am Freitag ein. Finn Schröder, Malte Großmann und Steuermann Jonas Wiesen siegten vor Ungarn, Italien, Spanien und Frankreich. „Unser Plan ist aufgegangen. Wir wollten gewinnen und insbesondere auf den dritten 500 Metern zeigen, wer hier Herr im Ring ist“, meinte Trainer Peter Thiede. So war es: Bis zur Streckenhälfte lagen die Boote eng zusammen. Dann zündete das deutsche „Wassertaxi“ den Turbo, zog an den führenden Spaniern vorbei und setzte sich mit einer Bootslänge vor das Feld.

Der Abschnitt, der nach dem Vorlauf noch als Schwachpunkt ausgemacht wurde, war diesmal die Stärke. „Auf den dritten 500 haben wir den entscheidenden Schritt gemacht. Jetzt können wir mit einem sehr guten Gefühl am Freitag ins Rennen gehen. Da gehen wir dann voll auf Angriff. Die Medaille ist das Ziel. Aber ich will immer jedes Rennen, in dem ich starte, auch gewinnen“, sagte ein vor Selbstbewusstsein strotzender Malte Großmann, der am heutigen Dienstag auch reichlich Glückwünsche zu seinem 22. Geburtstag entgegen nahm. Gefeiert wird aber erst am Freitag – und dann hoffentlich mit einer Medaille um den Hals.

WM-Ergebnisse:
Achter, Vorlauf: 1. Deutschland-Achter (Hannes Ocik, Richard Schmidt, Malte Jakschik, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Maximilian Planer, Felix Wimberger, Johannes Weißenfeld, Steuermann Martin Sauer)5:29,36 Minuten, 2. USA 5:30,38, 3. Rumänien 5:31,30, 4. Neuseeland 5:35,65, 5. Ukraine 5:37,57, 6. Polen 5:44,64.
Zweier mit Steuermann, Hoffnungslauf: 1. Deutschland (Finn Schröder, Malte Großmann, Steuermann Jonas Wiesen) 6:58,38 Minuten, 2. Ungarn 7:00,85, 3. Italien 7:01,43, 4. Spanien 7:01,81, 5. Frankreich 7:02,15.


24.09.17 I von Carsten Oberhagemann