Der Weg zur WM: Siegesserie mit Weltbestzeit


Bei der EM bekam Steuermann Martin Sauer am Ende die Wassertaufe.


In Posen legte der Deutschland-Achter die Weltbestzeit hin.


Und ließ sich dafür gebührend feiern.


Auch in Henley gab es allen Grund zu feiern.


Ebenso wie beim letzten Weltcup in Luzern.


Dafür mussten die Ruderer hart gegen Australien kämpfen.

 

Noch fünf Tage bis zum Start der Weltmeisterschaften in Sarasota. Im heutigen zweiten Teil unseres Jahresrückblicks geht es um die bislang so erfolgreich verlaufene Saison: vom fünften Europameister-Titel in Serie über die Weltbestzeit und den Henley-Triumph bis zum Weltcup-Sieg in Luzern.

Mit einem verjüngten Kader ging der Deutschland-Achter in die Saison, die erste Standortbestimmung fand im Mai bei den Europameisterschaften im tschechischen Racice statt. Mit Torben Johannesen, Johannes Weißenfeld und Jakob Schneider waren drei Neue an Bord, mit Felix Wimberger und Maximilian Planer außerdem zwei Rückkehrer und schließlich Richard Schmidt, Malte Jakschik, Hannes Ocik sowie Steuermann Martin Sauer aus dem Silber-Achter von Rio. „Alle, egal ob neu im Achter oder schon länger mit dabei, sind hochmotiviert und hungrig. Die Jungs bilden eine homogene Truppe“, war sich Bundestrainer Uwe Bender vor der EM sicher - und er sollte mit seinem Bauchgefühl Recht behalten.

EM-Titel zum Einstieg in die internationale Saison
Der Auftakt in die internationale Saison verlief nach Maß: Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg gewann das deutsche Paradeboot den Vorlauf und hielt die Gegner dabei klar auf Distanz. Das war im Finale nicht anders: Der Deutschland-Achter fuhr einen klaren Sieg vor Polen und den Niederlanden heraus. Olympiasieger Großbritannien kam dagegen nur auf Platz fünf ins Ziel. „Wir sind ein starkes Rennen gefahren. Ich denke, wir haben dieses Jahr eine richtig gute Mannschaft“, sagte Martin Sauer, der auch beim fünften EM-Titel in Folge der Tradition nach von den Ruderern im hohen Bogen ins Wasser geworfen wurde.

Weltbestzeit in Posen - „Ein brutal geiles Gefühl“
Mitte Juni folgte das erste Kräftemessen mit der Konkurrenz aus Übersee. Beim Weltcup in Posen traten erstmals Neuseeland und Australien auf den Plan. Trotz widriger Umstände dominierte das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) den Probelauf, im Finale sollte es noch besser kommen: Mit einer Fabelzeit von 5:18,68 Minuten stellte der Deutschland-Achter eine neue Weltbestzeit auf. Die Konkurrenz blieb weit dahinter, Neuseeland lief auf Platz zwei ein, der britische Achter auf dem dritten Rang.

„Wir wollten dem Rennen unseren Stempel aufdrücken, das ist uns gut gelungen. Dass es zur Weltbestzeit gereicht hat, ist ein brutal geiles Gefühl“, sagte Maximilian Planer nachher und Torben Johannesen fügte an: „Das ist schon etwas Besonderes. Wir wollen jetzt an unsere Erfolge anknüpfen, aber wir müssen weiter hart arbeiten und dürfen uns nicht auf den Ergebnissen ausruhen.“ Gesagt, getan, die nächste Station hieß Henley-on-Thames.

Zwei KO-Siege in Henley
Bei der traditionsreichen Henley Royal Regatta im Juli setzte der Deutschland-Achter das nächste Ausrufezeichen. Die Gegner blieben in den KO-Duellen ohne Chance: Im Halbfinale gegen Neuseeland sprang ein Sieg mit einer dreiviertel Bootslänge Vorsprung heraus, im Finale gegen Gastgeber Großbritannien war es sogar eine ganze Länge. Doch viel Zeit zur Freude über den Sieg beim Grand-Challenge-Cup blieb nicht, schon fünf Tage später stand das Weltcup-Finale in Luzern an.

„Fight bis zum Allerletzten“ beim Weltcup-Sieg in Luzern
Mit jeder Menge Selbstvertrauen im Gepäck war der Deutschland-Achter fest entschlossen, beim Weltcup-Finale auf dem Rotsee den fünften Regatta-Sieg in Folge zu feiern. Trotz der Doppelbelastung und rund 30 Grad sicherte sich das deutsche Team souverän den Vorlaufsieg und damit den direkten Finaleinzug. Dort wurde es erstmals in dieser Saison richtig spannend, der Deutschland-Achter bewies Herz und Kämpfergeist: Im harten Bord-an-Bord-Kampf setzte sich das deutsche Paradeboot gegen Australien mit einem Vorsprung von einem Luftkasten durch. „Das Rennen hat unfassbar wehgetan. Die Australier haben uns alles abverlangt, das war ein Fight bis zum Allerletzten“, sagte Hannes Ocik erschöpft, aber überglücklich.

Der große Höhepunkt soll noch folgen
Die Saison hatte viele Höhepunkte, angefangen mit dem Sieg bei der Internationalen Hügelregatta in Essen bis hin zum Weltcup-Erfolg auf dem Göttersee in Luzern. Nie ließ sich der Deutschland-Achter von seinem Siegesweg abbringen. Nach zehn Wochen harter Arbeit in drei intensiven Trainingslagern soll die Saison bei der WM ab dem 24. September mit dem Titel in den USA gekrönt werden. Bundestrainer Uwe Bender hat wieder ein gutes Bauchgefühl: „Aus den Siegen und der guten Vorbereitung können wir Selbstvertrauen schöpfen, die Saison ist gut gelaufen. Alle wollen auch die letzten beiden Rennen erfolgreich gestalten. Ich bin optimistisch, denn alle ziehen an einem Strang.“

19.09.17 I von Felix Kannengießer