Der Gipfel lockt: Es geht aufwärts in der Kärntener Bergwelt


Vor imposanter Bergkulisse: der Deutschland-Achter auf dem Völkermarkter Stausee.


Beobachtet von Bundestrainer Uwe Bender im Motorboot.


Nahezu täglich sind die Ruderer auf dem Wasser.


Der Blick von der Bordkamera.


Der Vierer ohne Steuermann mit installierter Messboottechnik.


Langsam steigt die Sonne auf über dem seichten Bergkamm der Kärntener Alpen. Unten auf dem Völkermarkter Stausee ziehen die Ruderer aus dem Team Deutschland-Achter ihre ersten morgendlichen Bahnen. In aller Ruhe, im gleichen Rhythmus, sehr präzise. Das Nationalteam befindet sich in der Mitte der insgesamt zweimonatigen Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften, die Ende September in Florida ausgefahren werden.

"Jawohl, aktiver Körpereinsatz, über die Mitte beschleunigen. Gut so." Das sagt Uwe Bender ins Mikrofon seines Katamarans, der den Achter begleitet. Der Bundestrainer sieht zufrieden aus, während er das Training beobachtet, gibt aber doch immer wieder noch kleine Korrekturen an. Es soll schließlich alles passen, wenn der Achter in Sarasota auf Titeljagd geht. Vier Jahre lang Zweiter beim Saisonhöhepunkt, das soll sich wieder ändern. Dieses Jahr soll der Saisonabschluss wieder golden werden. Es wäre die Krönung in einer bislang ungeschlagenen Saison mit EM-Gold, Weltbestzeit und Gesamtweltcup.

"Alle haben ein Ziel vor Augen"
Dafür wird geschuftet im sonnigen Kärnten. Zwei bis drei Trainingseinheit täglich – die meiste Zeit im Ruderboot, aber auch im Kraftraum und auf dem Rennrad. Bei den Radeinheiten geht es auch mal gerne eine Passstraße hinauf, etwa bis zur slowenischen Grenze. Entscheidend sind aber die Rudereinheiten, wobei nach langen Ausdauereinheiten hier nun allmählich die Belastungsintensitäten ansteigen. „Wir haben alles, was wir bislang geplant hatten, durchziehen können. Die Jungs sind hochmotiviert und machen gut mit, schließlich haben sie alle ein Ziel vor Augen“, zieht Bender ein positives Zwischenfazit zur Halbzeit der WM-Vorbereitung und ergänzt: „Das bisherige Training hat uns wieder ein gutes Stück weitergebracht. Das ist auch gut so. Denn uns muss immer bewusst sein, dass unsere Gegner nicht schlafen.“

Den nötigen Schlaf ihrerseits, aber auch notwendige Stärkung und Entspannung finden die deutschen Auswahlsportler im Hotel Orchidee am Klopeiner See. Hier werden die Sportler mit reichlich Pasta, Fisch und Fleisch versorgt, aber auch mit Spezialitäten der Region verwöhnt. „Kaiserschmarrn geht immer“, sagt Hannes Ocik, als der Hotelchef fragt, womit er ihnen mal eine besondere Freude machen könne. Der Spaß kommt bei all der schweißtreibenden körperlichen Arbeit nicht zu kurz. Schließlich lockt der Badesee nicht nur die Touristen an, sondern immer wieder auch die Leistungssportler, die es sich nicht nehmen lassen, nach einem harten Trainingstag zur Abkühlung ins kühlende Wasser zu springen. „Baden gehen oder einfach nur die Beine im Wasser baumeln zu lassen, ist auch wichtig für die Regeneration“, sagt Bender.

1.600 Höhenmeter zum Hochobir
Am morgigen Donnerstag kehrt mal ein wenig Abwechslung ein. Uwe Bender hat einen Tag ohne Rudern in den Trainingsplan aufgenommen. Es werden die Wanderschuhe geschnürt, es geht aufwärts: 1.600 Höhenmeter sind bei der Bergtour auf den Hochobir zu absolvieren – Ausdauertraining mal anders. Und als Belohnung gibt’s für die sonst rudernden Gipfelstürmer sicher auch mal wieder Kaiserschmarrn.

16.08.17 I von Carsten Oberhagemann