Der „big five man“ ist im Deutschland-Achter angekommen


Erschöpft, aber glücklich: Jakob Schneider nach dem Sieg beim Weltcup-Finale in Luzern...


...und mit Gold bei der EM im tschechischen Racice.


Der Start im Achter war für Schneider nicht einfach, mittlerweile sieht er sich voll integriert.


Voll konzentriert: Jakob Schneider hat ein klares Ziel vor Augen.


Im Interview verrät Schneider, was für ihn der entscheidende Schritt in seiner Laufbahn war.


 

Lange hat Jakob Schneider für die Nominierung gekämpft, ist durch Höhen und Tiefen gegangen: Jetzt ist „the big five man“ – wie ihn World-Rowing-Kommentator Martin Cross beim Gewinn des EM-Titels bezeichnet hat – im Deutschland-Achter angekommen. Auf der Position fünf hat er mit dem Flaggschiff des Deutschen Ruderverbands (DRV) in dieser Saison eine starke Siegesserie hingelegt. Die Krönung soll der WM-Titel werden.

Seit der sechsten Klasse sitzt Jakob Schneider im Ruderboot. „Ich bin früher viel am Rhein spazieren gegangen und fand es immer spannend, den Ruderern zuzusehen“, erinnert sich der heute 23-Jährige zurück an seine Kindheit. Nach der Grundausbildung beim Breisacher Ruderverein wechselte Schneider als B-Junior Ende 2010 auf ein Sportinternat nach Essen und damit zum Ruderklub am Baldeneysee. Nach dem Abi zog es ihn nach Dortmund, zum Ruderleistungsstützpunkt. Für ihn waren das die entscheidenden Schritte in seiner bisherigen Ruderkarriere.

Entschlossen Richtung A-Kader
„Bis dahin habe ich nie in einem Siegerboot gesessen“, sagt Schneider, der 2012 bei den U19-Weltmeisterschaften im Vierer ohne Steuermann Bronze holte: „Das hat mir richtig Schub verliehen. In Dortmund konnte ich dann direkt die Früchte des Umzugs ernten.“ Im zweiten U23-Jahr folgte U23-WM-Silber im Vierer und der nächste Schritt in Richtung A-Kader. Schneider war entschlossen, sich mit seinen 1,98 Metern bei den „Großen“ durchzusetzen.

Als U23-Athlet hatte er 2014/15 erstmals die Chance, sich für das „Team Deutschland-Achter“ zu qualifizieren. „Der Qualitätsunterschied war noch sehr groß, aber es war eine Motivation für mich“, erinnert sich Schneider, der nach Andreas Kuffners Ausfall mit Eric Johannesen im Zweier die Vorbereitung bestreiten sollte. Kurz vor den Deutschen Kleinbootmeisterschaften fiel Schneider aber krankheitsbedingt aus.

WM-Silber im Zweier mit Steuermann
„Da saß ich plötzlich etwas zwischen den Stühlen. Ich habe es trotzdem im A-Bereich versucht“, sagt Schneider, der sich schließlich für die WM mit Clemens Ernsting für den Zweier mit Steuermann qualifizierte und in Aiguebelette (Frankreich) Silber holte. Außerdem sprang 2015 der Titel im Vierer ohne Steuermann bei der Universiade in Südkorea heraus. Für das kommende Olympia-Jahr stand Schneider als eines der Top-Talente in den Startlöchern.

Durchhänger in der Olympia-Saison
„Leider bin ich da nie richtig in Tritt gekommen“, sagt Schneider. Erst lief die Zweier-Kombination mit Richard Schmidt nicht wirklich rund, dann fiel der junge Ruderer im Trainingslager in Sabaudia krankheitsbedingt länger aus und verpasste schließlich den Frühtest. „Danach habe ich mit Olympia abgeschlossen und akzeptiert, dass ich wieder in den U23-Bereich zurück muss. Ich war ja ohnehin ein Wackelkandidat und die Chance auf Olympia kam für mich recht plötzlich“, so Schneider, der an der Ruhr-Uni Bochum Politik-Wirtschaft-Gesellschaft (PWG) und Biologie im Doppel-Bachelor studiert.

Schneider empfiehlt sich über die U23
Zurück im U23-Kader fand er wieder in die Spur, ruderte 2016 mit dem Nachwuchs-Achter bei der U23-WM zu Bronze. Doch gleichzeitig war es sein letztes U23-Jahr. Nun musste Schneider liefern – und zeigte auch, was er kann. „Mir war klar: Das wird ein entscheidendes Jahr. Wenn du angreifen willst, dann jetzt“, sagt Schneider, der sich in dieser Saison mit dem sechsten Rang bei den Kleinbootmeisterschaften im Zweier mit Hannes Ocik seinen Platz im deutschen Vorzeigeboot erkämpfte. Der Rest der Geschichte ist bekannt – der Achter blieb in dieser Saison ungeschlagen und stellte eine neue Weltbestzeit auf – das nächste Kapitel muss noch geschrieben werden. Möglichst im September bei der WM in Sarasota (USA).

Klares Ziel vor Augen
Schneider hat durch die guten Leistungen an Selbstbewusstsein gewonnen. „Anfangs war ich oft derjenige, der angesprochen wurde, dass mein Ruderschlag nicht dem des Deutschland-Achters entspricht. Das ist jetzt nicht mehr so, technisch habe ich einen Sprung gemacht und kann mich nun besser einbringen. Im Trainingslager will ich mich weiterentwickeln.“ Ein Ziel hat er sich fest vorgenommen: „Ich war viermal bei einer WM dabei und habe jedes mal Edelmetall geholt. Ganz oben stand ich jedoch noch nie, das zu erreichen wäre Wahnsinn.“

09.08.17 I von Felix Kannengießer