Junge Mannschaft zahlt Lehrgeld bei der U23-WM


Im Vorlauf der WM wurde der U23-Achter knapp von der Ukraine geschlagen und musste in den Hoffnungslauf...


...Dort lösten Johannes Rentz, Anton Schulz (v.l.) und Co. das Ticket für das Finale.


Im Finale legte die junge deutsche Mannschaft gut los...


...Um den Sieg konnte die U23-Achter-Crew aber nicht mitreden.


Die Enttäuschung war den Athleten nach den Rennen ins Gesicht geschrieben.


Trainer Peter Thiede will die WM in Ruhe aufarbeiten und "keine Schnellschüsse" tätigen.

Info: Plovdiv
Im nächsten Jahr finden die A-Weltmeisterschaften in Plovdiv statt. Die U23-Nationalmannschaft hat die Bedingungen vor Ort getestet. Thiede meint: „Bei der Unterbringung und der Verpflegung gibt es einige Dinge, die für das nächste Jahr verbessert werden können. Es gab auch ein paar Krankheitsfälle. Aber die Regattastrecke ist top und auch mit dem Shuttle-Service waren wir sehr zufrieden.“

 

Der U23-Achter hat bei den U23-Weltmeisterschaften im bulgarischen Plovdiv den fünften Platz geholt, beim Vierer und Zweier reichte es nur zum B-Finale. Ruderer wie Trainer hatten sich mehr erhofft. Nun läuft die Analyse. „Wir haben eine junge Mannschaft und fünf unserer besten Ruderer an den A-Kader abgegeben. Trotzdem, die Ergebnisse sind insgesamt ernüchternd. Wir werden unsere Schlüsse daraus ziehen“, sagt U23-Trainer Peter Thiede.

Mit Paul Gebauer, Wolf-Niclas Schröder, Christopher Reinhardt, Laurits Follert und Malte Großmann haben fünf Leistungsträger aus dem U23-Bereich den Sprung in das Team Deutschland-Achter geschafft. Neue Talente sind dafür in die erste Reihe gerückt. Für die junge Mannschaft, die erst seit einem Monat so zusammen trainiert, kam die U23-WM aber wohl noch zu früh. „Die Decke war etwas dünn, die Vorbereitung gut, aber kurz“, findet Thiede: „Dazu kommt, dass die anderen Nationen auch immer mehr in den U23-Bereich als früher investieren. Sie haben früh angefangen, in den Groß- und Mittelbooten zu trainieren. Da müssen wir auch wieder hinkommen.“

U23-Achter musste in den Hoffnungslauf
Beim U23-Achter sah es im Vorlauf im ersten Rennabschnitt noch gut aus. Bei der 1000-Meter-Marke zogen Jakob Gebel, Anton Schulz, Johannes Rentz, Marc Leske, Maximilian Bierwirth, Michael Trebbow, Olaf Roggensack, René Schmela und Steuermann Jonas Wiesen den Sprint an. „Das war der Fehler, denn danach haben wir an Schwung verloren. Die Ukraine hat das gnadenlos ausgenutzt“, so Thiede. Der U23-Achter wurde Zweiter und musste über den Hoffnungslauf, wo er sich hinter dem britischen Großboot noch für das Finale qualifizierte, aber weitere Kräfte ließ. „Das war besser, aber auch nicht optimal. Die einen waren zu lässig, die anderen zu angespannt“, bewertet Thiede.

Favoriten siegen im Finale
Im Finale wollten alle eine Schippe draufpacken. Das gelang zunächst auch. Die jungen Ruderer um Steuermann Jonas Wiesen legten offensiv los, am Ende war die Konkurrenz an diesem Tag aber zu stark. Der U23-Achter wurde vor der Ukraine Fünfter, die Favoriten siegten: Holland landete knapp vor Rumänien – im Weltcup-Finale in Luzern, das der Deutschland-Achter gewann, belegten diese beiden U23-Boote zuletzt Platz vier und fünf. Großbritannien holte in Plovdiv Bronze. „Ab der 1000-Meter-Marke ging die Post richtig los, da hatten wir keine Chance auf den Sieg. Kämpferisch haben wir ein gutes Finale abgeliefert, technisch war es nicht das beste Rennen“, meint Thiede.

Vierer ohne mit versöhnlichem Abschluss
Der Vierer ohne Steuermann hat bei seiner ersten internationalen Erfahrung auch kämpfen müssen: Im Vorlauf wurden Friedrich Dunkel, Paul Gralla, Simon Klose und Marc Kammann Vierter, im Hoffnungslauf aber landete das Quartett mit großem Vorsprung ganz vorne und qualifizierte sich so noch für das Halbfinale. Doch der Hoffnungslauf hatte Körner gekostet, im Semifinale reichte es nur für Platz fünf. Mit Rang zwei im B-Finale hinter Litauen und vor den USA gab es schließlich einen versöhnlichen Abschluss. „Sie haben sich insgesamt gut geschlagen und fast das Optimum rausgeholt“, findet Thiede.

Weltbestzeit fällt beim Zweier schon im Vorlauf
Für den Zweier ohne Steuermann, der erst im finalen Trainingslager in Ratzeburg formiert wurde, ist es letztlich auch das B-Finale geworden. „Das Ergebnis ist in Ordnung, gegen die Top-Konkurrenz hatten wir keine Chance“, sagt Thiede. Im Vorlauf wurde die U23-Weltbestzeit zweimal unterboten, Alexander Vollmer und Philipp Nonnast wurden Dritter hinter Rumänien und Frankreich, die mit der besten Zeit des Tages ins Ziel kamen. Nach dem letzten Platz im Halbfinale holte das Duo im B-Finale immerhin Platz vier.

Analyse steht an - „Keine Schnellschüsse tätigen“
Mit Krankheit zu kämpfen hatte der Vierer mit Steuermann und biss sich trotzdem durch. Im Vorlauf und im Hoffnungslauf landeten Paul Seiters, Benjamin Leibelt, Max John, Marcel Teckemeyer und Steuermann Felix Heinemann jedoch jeweils knapp auf dem letzten Platz. Insgesamt haben es aus den 21 U23-Klassen nur zehn Boote des Deutschen Ruderverbandes (DRV) ins Finale geschafft. Drei Bronzemedaillen stehen unter dem Strich, das bedeutet in der Nationenwertung den 21. Platz. „Da haben sich alle mehr vorgenommen. Wir sollten jetzt aber keine Schnellschüsse tätigen, sondern das Ganze richtig analysieren“, meint Thiede. 


Ergebnisse der U23-WM in Plovdiv (Bulgarien) vom 19. - 23. Juli:
Achter, A-Finale: 1. Niederlande 05:29.550; 2. Rumänien, 05:31.570; 3. Großbritannien 05:32.640; 4. USA 05:35.740; 5. Deutschland ( Jakob Gebel, Anton Schulz, Johannes Dirk Rentz, Marc Leske, Maximilian Bierwirth, Michael Trebbow, Olaf Roggensack, René Schmela, St. Jonas Wiesen)05:37.490; 6. Ukraine 05:40.130.
Vierer ohne Steuermann, B-Finale: 1. Litauen 06:04.680; 2. Deutschland (Friedrich Dunkel, Paul Gralla, Simon Klose, Marc Kammann) 06:06.750; 3. USA 06:07.940; 4. Italien 06:10.510; 5. Spanien 06:11.300; 6. Südafrika 06:18.780.
Zweier ohne Steuermann, B-Finale: 1. Niederlande 06:35.480; 2. Österreich 06:37.480; 3. Italien 06:40.040; 4. Deutschland (Alexander Vollmer, Philipp Nonnast) 06:41.540; 5. Türkei 06:43.360; 6. Moldawien 06:48.490.

25.07.17 I von Felix Kannengießer