Härteste Trainingsphase in der WM-Vorbereitung steht an


Mit dem Weltcup-Sieg im Rücken geht der Deutschland-Achter in die nächste Trainingsphase.


Damit sind Johannes Weißenfeld, Felix Wimberger, Maximilian Planer, Torben Johannesen, Jakob Schröder, Malte Jakschik, Richard Schmidt, Hannes Ocik und Martin Sauer (v.l.) in dieser Saison weiterhin ungeschlagen.


Die junge Vierer-Crew mit Christopher Reinhardt, Laurits Follert, Wolf-Niclas Schröder und Paul Gebauer (v.l.) holte in Luzern den Sieg im B-Finale und will bei der WM höher hinaus.


Aktuell trainieren beide Boote am Ruderleistungsstützpunkt in Dortmund.


Finn Schröder ist aus dem Vierer ohne in den Zweier mit Steuermann an die Stelle von René Stüven gerückt.


In Luzern holten Stüven, Malte Großmann und Steuermann Jonas Wiesen die Goldmedaille. Stüven und Malte Daberkow fahren als Ersatzmänner mit zur WM.

 

Der Deutschland-Achter hatte bislang die Konkurrenz im Griff und ist unbesiegt durch die Saison gegangen. Nach der ersten Wettkampf-Phase stehen in den nächsten zwei Monaten drei Trainingslager an. Dabei wird das Pensum immer weiter gesteigert, bevor ab dem 24. September die Weltmeisterschaften in Sarasota (USA) stattfinden. Die gute Form wollen die Ruderer halten, um die Saison mit dem WM-Titel zu krönen. Aktuell bereiten sie sich dafür am Leistungsstützpunkt in Dortmund vor.

„Wir haben in der Vorbereitung viel richtig gemacht, uns in den Rennen Selbstvertrauen geholt und uns einen kleinen Vorsprung erarbeitet“, lobt Bundestrainer Uwe Bender sein Team: „In Luzern war es aber knapp. Wir müssen unbedingt konzentriert weiterarbeiten.“ Beim Weltcup-Finale lieferte sich der Deutschland-Achter mit Australien einen packenden Kampf auf den letzten Metern und bewies dabei abermals seine Stärken: So schnell das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) am Start loslegt, so unerbittlich ziehen die Ruderer im zweiten Streckenabschnitt ihren Schlag durch.

Lange Wettkampfpause nutzen
Das hat dem Deutschland-Achter in dieser Saison fünf Regatta-Siege eingebracht, zuletzt im Finale in Luzern. „Normalerweise sagt man, dass die Mannschaft, die im Weltcup-Finale vorne ist, auch bei der WM vorne liegt. Durch die lange Wettkampfpause werden sich aber sicher Veränderungen bei den Teams ergeben“, sagt Bender. Der späte WM-Termin ist den klimatischen Bedingungen im heißen Florida geschuldet. Die Zeit wird das deutsche Team nutzen, um die Akkus wieder aufzuladen.

Steigerung auf das höchste Pensum
„Trainingsmethodisch müssen wir wieder bei den Grundlagen beginnen“, erklärt Bender. Die intensiven Rennen haben ihre Spuren hinterlassen, die Basis für das Highlight der Saison müssen sich die Ruderer mit hartem Training wieder zurückholen – und noch etwas mehr. Dafür steigert der Bundestrainer den Trainingsumfang auf das bislang mit Abstand höchste Pensum. Drei Einheiten stehen pro Tag auf dem Programm, lediglich an jedem dritten Tag gibt es einen Nachmittag frei. „Wir haben den Umfang deutlich erhöht, andere Trainingsformen wie Radfahren eingebaut, aber auch die Ruder-Kilometer gesteigert“, so Bender.

Auch wenn nun anstrengende Monate vor dem Deutschland-Achter liegen, ist Bender zuversichtlich, dass niemand einen Lagerkoller bekommt. Die Mannschaft habe von Beginn an hervorragend zusammengearbeitet, lobt der Bundestrainer: „Diese Mannschaft hat Charakter und ist eine tolle Einheit – alle ziehen an einem Strang und sind voll motiviert. Da macht es auch mir als Trainer viel Spaß mit den Sportlern zu arbeiten.“

Junger Vierer arbeitet am Zusammenspiel
Der Spaß kommt auch bei dem Vierer ohne Steuermann nicht zu kurz, wenngleich die jungen Ruderer noch einige Aufgaben zu meistern haben. Beim Weltcup in Luzern saß Laurits Follert statt Finn Schröder erstmals nach seiner Verletzung im Vierer. Das Quartett hat bei seiner Premiere in dieser Formation von Rennen zu Rennen dazugelernt, am Ende das A-Finale knapp verpasst, aber den Sieg im B-Finale geholt und sich so für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Das oberste Ziel ist nun, sich als Team einzufahren.

„Durch Laurits’ Ausfall hatten wir weniger Möglichkeiten, das Zusammenspiel zu perfektionieren“, sagt Bundestrainer Christian Viedt: „Aber Laurits bringt nochmal eine besondere Power dazu. Wir müssen schauen, dass wir am Miteinander im Boot, an der Gleichmäßigkeit arbeiten.“ Ansonsten steht wie auch beim Deutschland-Achter das Grundlagen-Training auf dem Plan, ebenfalls mit deutlich erhöhtem Pensum. „Da geht es vor allem um technische Weiterentwicklung und Ausdauer. Wir haben einige Rennen hinten heraus verloren und müssen lernen, die drei Punkte in der 90. Minute mitzunehmen“, erklärt Viedt.

Erstes von drei Trainingslagern
Das Trainingslager in Dortmund passt Viedt da gut ins Programm: „Es werden lange Tage mit einer hohen Belastung, aber hier haben wir optimale Trainingsbedingungen bei jedem Wetter.“ Am 7. August geht es weiter ins österreichische Völkermarkt, bevor der letzte Feinschliff für die WM in Ratzeburg geholt wird (4. bis 15. September). Bei den Weltmeisterschaften will der Vierer mehr als zuletzt rausholen. „Generell nehmen wir uns das A-Finale vor. Die Jungs haben das Vermögen, das zu schaffen. Aber das ist eine junge Mannschaft, da müssen wir auch vorsichtig mit den Ansprüchen sein. Sie entwickeln sich von Tag zu Tag weiter“, so Viedt.

Schröder rückt in den Zweier mit Steuermann
Als Gold-Gewinner von Luzern hat sich auch der Zweier mit Steuermann für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Für René Stüven rückt allerdings Finn Schröder, der bis Luzern im Vierer saß und beim Weltcup-Finale im Zweier ohne Steuermann antrat, an die Seite von Malte Großmann und Steuermann Jonas Wiesen. „Die Konkurrenz wird sich im Vergleich zu Luzern verstärken, aber wir wollen schauen, was geht“, sagt Viedt. Stüven und Malte Daberkow treten die Reise in die USA als Ersatzleute an. Der Zweier ohne Steuermann hat indes die Nominierungskriterien des DRV für die WM nicht erfüllt. In Luzern musste das Boot mindestens Zwölfter werden, kam aber nur auf den 14. Platz.

21.07.17 I von Felix Kannengießer