Gebauer und Schröder: Gemeinsam von Ziel zu Ziel


Mit dem vierten Platz bei den Kleinbootmeisterschaften empfahlen sich Paul Gebauer und Wolf-Niclas Schröder für das Team Deutschland-Achter...


und landeten im Vierer ohne Steuermann mit Finn Schröder und Christopher Reinhardt.


Bei den Europameisterschaften zeigte das Quartett seine Qualitäten.


Paul Gebauer ist gebürtiger Berliner und will im Herbst ein Medienwissenschafts-Studium beginnen.


Wolf-Niclas Schröder hat mit seinem Bauingenieurswesen-Studium an der TU Berlin bereits begonnen.


Das Team Deutschland-Achter war immer ihr Ziel, ein Rollsitz im Vierer im nacholympischen Zyklus ihre selbst auferlegte Mission – und so war es für Wolf-Niclas Schröder und Paul Gebauer ein „fantastisches Gefühl“, als sie im Mai tatsächlich vom Bundestrainer berufen wurden. Jetzt sprühen die beiden vor Tatendrang und haben sich die nächsten Ziele schon gesetzt.

Im Zweier sind Gebauer und Schröder ein eingespieltes Duo: Mittlerweile rudern sie schon die fünfte Saison in Folge zusammen. Gemeinsam wechselten sie damals bei den Junioren vom Skullen zum Riemen und entwickelten sich schnell weiter. „Die Leistung hat sofort gestimmt, nachdem wir gewechselt sind“, erinnert sich Gebauer, der in Berlin geboren ist und wie schon sein Vater beim Potsdamer RC Germania ruderisch zu Hause ist. Schröder kommt aus Wismar an der Ostsee, ist als Kind in die Hauptstadt gekommen und dort vom Segeln zum Rudern gewechselt. Bei der Ruder Union Arkona Berlin machte er seine ersten Schläge. Und obwohl die Clubs der beiden ein ganzes Stück weit auseinander liegen, fanden sie schnell im Zweier zusammen.

Gemeinsames Training auf der Havel
Die Verbindung ist die Havel, wo gemeinsam trainiert wurde. „Als ich von den Kindern zu den Junioren gewechselt bin, ging es plötzlich um etwas. Da hat es bei mir Klick gemacht und ich habe viel mehr Zeit in das Rudern investiert, war deutlich fokussierter“, beschreibt Gebauer seinen Weg vom Talent zum Leistungssportler. Bei Schröder verlief es ähnlich, wenn auch mit einem Jahr Zeitverzögerung. „Vor allem die Weltmeisterschaften waren für mich ein Ansporn“, sagt er: „Als dann die ersten Erfolge im Zweier mit Paul kamen, haben wir das Training immer weiter angezogen, um in einem der WM-Boote zu landen.“

WM-Gold im Vierer bei den Junioren
Beide schafften den Sprung, wenn auch zunächst noch getrennt voneinander: Schröder holte 2013 im Vierer mit Steuermann Junioren-WM-Silber, Gebauer saß als Schlagmann im Gold-Achter. Im Jahr darauf ruderten beide gemeinsam im Vierer ohne Steuermann zu Junioren-WM-Gold. „Das war schon überwältigend, aber es hat schnell wieder in den Fingern gejuckt. Wir wollten höher hinaus“, sagt Schröder. Auch 2015, im oftmals schwierigen ersten U23-Jahr, gelang ihnen die Qualifikation zu den Weltmeisterschaften, im Zweier reichte es am Ende im A-Finale für den fünften Platz. Für das junge Duo ging es stetig bergauf, Ziel für Ziel wurde abgehakt, erst im vergangenen Jahr gab es erstmals einen Hänger.

Enttäuschte Hoffnung als Motivation
Mitten in der Saison legte Gebauer ein viraler Effekt lahm. „Da war ich eine Woche im Krankenhaus und habe insgesamt zehn Kilogramm verloren“, sagt er. Mit viel Krafttraining und der richtigen Ernährung bekam Gebauer das Gewicht wieder drauf, die letzten Prozente aber fehlten bei der U23-WM. Im Vierer ohne Steuermann mit Schröder, René Schmela und Olaf Roggensack wurde es letztlich der fünfte Platz. „Ohne die Krankheit wäre mehr drin gewesen“, ist Gebauer überzeugt. Das Duo nahm die enttäuschte Hoffnung auf eine U23-WM-Medaille jedoch als Motivation. Ein großes Ziel stand ja noch auf der Liste: Die Qualifikation für den A-Kader und das Team Deutschland-Achter.

Harte Arbeit im Winter zahlt sich aus
„Wir hatten uns das ganz klar vorgenommen, in die Mannschaft zu kommen. Dafür haben wir den ganzen Winter hart gearbeitet“, sagt Schröder. Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften ruderten sie ins A-Finale, holten den vierten Platz. Und als Mitte Mai die Bootsbesetzungen im Ruderleistungszentrum Dortmund präsentiert wurden, leuchteten ihre Namen im Vierer auf. Gemeinsam mit Finn Schröder und Christopher Reinhardt haben sie zuletzt bei den Europameisterschaften gezeigt, dass ihnen die Zukunft gehört. Trotz einer extrem kurzen Vorbereitungszeit von nur einem Wochenende trennten sie im Halbfinale nur wenige Zehntelsekunden vom dritten Platz und damit vom A-Finale beim ersten internationalen Auftritt. Im B-Finale gaben sie noch einmal eine Kostprobe ihres Könnens ab, wurden mit deutlichem Vorsprung Erster.

Jetzt gilt es für das Duo zum Quartett zu verschmelzen. Dafür pendeln die beiden Freunde jeden Donnerstag von Berlin nach Dortmund. Auch wenn sich die beiden Ruderer in der Bundeshauptstadt pudelwohl fühlen, soll im nächsten Jahr der komplette Umzug ins Ruhrgebiet folgen. Denn ganz oben auf der Liste steht noch ein ganz anderes Ziel. „2020 wollen wir bei Olympia in Tokio dabei sein“, sagt Gebauer: „Dafür geben wir weiterhin alles.“ Daran bleibt kein Zweifel. Wie strikt sie ihre Ziele umsetzen, haben sie ja schon oft bewiesen.

07.06.17 I von Felix Kannengießer