Felix Brummel: Vom Leicht- zum Schwergewicht


Bei der Langstrecke in Leipzig ließen Felix Brummel (li.) und Alexander Diedrich erstmals in diesem Jahr bei den Schwergewichten aufhorchen...


...und landeten schließlich als Dritte auf dem Podest.


Bei den Kleinbootmeisterschaften in Krefeld ruderte das Duo auf den dritten Platz im B-Finale.





Wenn im Ruderleistungszentrum Dortmund das Essen auf den Tisch kommt, dann geht er zweimal zur Ausgabe, auch im Kraftraum ist der 22-Jährige momentan nahezu ständig anzutreffen: Felix Brummel sattelt vom Leicht- zum Schwergewicht um und legt deswegen seit einigen Monaten körperlich ordentlich zu. Das ist ihm so weit schon prima gelungen, doch die große Umstellung bringt viele Herausforderungen mit sich.

„Technisch hat sich für mich nicht viel verändert, aber ich muss eine ganz andere Power aufbringen“, sagt Brummel. Die Entscheidung, die Gewichtsklasse zu wechseln, war allerdings mehr oder weniger erzwungen. Im Leichtgewichtsbereich war der 1,92 Meter große Sportler einer der talentiertesten Ruderer, gehörte mit seinem Vierer zur Weltspitze, hatte zuletzt bei der U23-WM in Rotterdam den zweiten Platz belegt. Nach der Verkündung des IOC, den Leichtgewichts-Vierer aus dem olympischen Wettbewerb zu streichen, aber war für Brummel ein großer Traum plötzlich geplatzt. Doch so leicht wollte sich Münsters Sportler des Jahres nicht damit zufrieden geben.

Sechs Extra-Kilogramm sind schon drauf
Einen Ausweg gab es schließlich: Umsatteln zum Schwergewicht. „Normalerweise wäre ich bei den Leichtgewichten geblieben, aber durch die Entscheidung des IOC bin ich zum Nachdenken gekommen“, sagt Brummel: „Der Wechsel war für mich nicht einfach. Ich habe viel aufgegeben und muss bei den Schwergewichten quasi von Null starten.“ Als das IOC im Februar seinen Beschluss bekannt gab, war jedoch für Brummel endgültig klar: „Ich wechsle.“ Als Leichtgewicht durfte er nicht mehr als 71 kg wiegen. Im Winter brachte er 77 kg auf die Waage und kochte diesmal nicht ab, sondern legte sechs Kilogramm zu und baute vor allem viel Muskelmasse auf. Die ersten Ergebnisse mit jetzt 83 kg waren äußerst positiv.

Auf dem Ergo um acht Sekunden verbessert
Mit seinem Zweierpartner Alexander Diedrich, der ebenfalls den Sprung vom Leicht- zum Schwergewicht versucht, hat er bei den letzten Regatten ordentlich aufhorchen lassen, wurde bei der Langstrecke in Leipzig Dritter und bei den Kleinbootmeisterschaften Dritter im B-Finale. Auch seinen Ergometer-Wert hat er deutlich verbessert – um acht Sekunden. „Allerdings war ich im Vergleich zum letzten Ergo-Test auch sechs Kilogramm schwerer“, sagt Brummel, für den das noch nicht das Ende sein soll: „Ich muss noch stärker werden, um den Anschluss zu finden.“ Etwa zehn Kilogramm sollen noch drauf.

„Ein ganz anderes Gefühl für den Körper“
Dafür muss der Maschinenbaustudent der TU Dortmund momentan viel trainieren – und essen. „Ich muss dem Körper viel Energie zur Verfügung stellen und sie beim Training sinnvoll einsetzen“, sagt er: „Es ist schon irgendwie ein ganz anderes Gefühl für den Körper. Vorher musste ich immer genau darauf achten, wieviel ich esse.“ Natürlich kann Brummel jetzt trotzdem keine Burger zum Frühstück in sich hineinschieben, seinen Ernährungs- und Trainingsplan hat er mit dem Physiotherapeuten Aric Brämswig detailliert aufgestellt.

Klare Ziele
Brummel hat seinen Aufstieg zum Schwergewicht genau geplant, auch wenn er anfangs noch Bedenken hatte: „Ich wusste nicht, ob das mit dem Muskelaufbau so gut klappt, ich hatte es ja niemals vorher ausprobiert.“ Doch es klappt gut, so gut, dass er sich für die Zukunft einiges vorgenommen hat. Gerne würde er an seine Erfolge bei den Leichtgewichts-Ruderern anknüpfen. „Erst einmal ist es aber mein Ziel, in einem der Boote zu landen“, sagt Brummel. Und wer weiß: Vielleicht schafft Felix Brummel ja einen ähnlichen Weg wie ein ganz großer Achter-Ruderer: Kristof Wilke, der auch als Leichtgewicht nach Dortmund kam und sich dermaßen gut entwickelte, dass er den Deutschland-Achter 2012 als Schlagmann zum Olympiasieg führte. 

08.05.17 I von Felix Kannengießer