Erfolgreiche Doppelkarriere in Deutschland und Cambridge


Thorsten Streppelhoff


Weltmeister 1991 in Wien: Martin Steffes-Mies, Dirk Balster, Claas-Peter Fischer, Thorsten Streppelhoff, Jürgen Hecht, Wolfgang Klapheck, Ansgar Wessling, Schlagmann Roland Baar und Steuermann Manfred Klein.

Steckbrief
Geb.-Datum: 15.08.1969
Größe: 1,98 m
Gewicht: 96 kg

Familie: Verheiratet mit Nina, eine gemeinsame Tochter (Nele, 1,5 Jahre).

Beruf: Ingenieur für Verfahrenstechnik

Verein zur aktiven Zeit: Ruderverein Dorsten

Aktueller Verein: Ruderverein Dorsten

Noch aktive Sportarten: Laufen, Schwimmen, Fitness

Größte sportliche Erfolge:
zweifacher Weltmeister im 8+ (1991 und 1993),
Olympisches Bronze im 8+ (1992),
Vizeweltmeister im 2- (1994),
Olympisches Silber im 8+ (1996)

Tipp für die aktuelle Generation:
„Abgesehen von Regatten, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gibt es im Laufe einer Ruderkarriere viele tolle Augenblicke: Wenn das Training auf dem Wasser Spaß macht, das Boot besonders gut läuft oder man intensive Team-Momente erlebt. Ich wünsche den Jungs, dass sie diese besonderen Augenblicke bewusst erleben können – im Hier und Jetzt. Gerade in der Rückschau sind diese Augenblicke mindestens genauso wichtig wie große Rennen, Siege und Niederlagen.“

 
 

Was macht eigentlich…Thorsten Streppelhoff?

In unserer Serie „Was macht eigentlich…?“ stellen wir Ruderer vor, die vor einiger Zeit im Deutschland-Achter erfolgreich waren, und zeigen, wie sich ihr Leben nach dem Leistungssport verändert hat.

Zwei Weltmeistertitel im Deutschland-Achter, zwei olympische Medaillen und der Gewinn des legendären britischen „University Boat Race“: Thorsten Streppelhoff, heute Geschäftsführer des weltweit bekannten Schreibwarenherstellers „edding“, blickt auf eine internationale Doppelkarriere im Rudern zurück.

Als einige der ersten deutschen Ruderer hatte es Thorsten Streppelhoff und Peter Hoeltzenbein im Jahr 1993 nach Cambridge gelockt – zum Studium an der britischen Elite-Universität und für die Chance, einen der begehrten Achter-Plätze beim traditionellen „University Boat Race“ zu ergattern. Hier treten Jahr für Jahr die besten Ruderer der besten Universitäten des Landes gegeneinander an. Mit den beiden deutschen Ruderern Thorsten Streppelhoff und Peter Hoeltzenbein an Bord zog Cambridge im Frühjahr 1994 beim 140. Rennen am Erzrivalen Oxford vorbei.

Ein Jahr lang hatten die beiden Deutschen auf diesen besonderen Höhepunkt hin gearbeitet: „Das Training in Cambridge war tatsächlich ganz anders, als wir es aus Deutschland kannten: Mit Blick auf den deutlich früheren Saisonhöhepunkt – das Boat Race findet um Ostern statt – war das Training bereits im Winter deutlich intensiver. Ein weiteres Trainingselement, das uns damals sehr beeindruckte, waren die sogenannten Seat Races; dabei sind wir in unterschiedlichsten Besetzungen mehrfach auf der 1.000 Meter-Distanz gegeneinander angetreten. In Summe war das Trainingskonzept jedoch sehr erfolgreich und eine interessante und wichtige Erfahrung.“

An der Elite-Universität fürs Management qualifiziert
Nicht nur das Training, auch das Studium im fremden Land war eine besondere Erfahrung für den Maschinenbau-Studenten, der in Cambridge ein Diplom in Management Studies erworben hat. „Das Studium in englischer Sprache war natürlich eine Herausforderung, aber die wirtschaftliche Ausrichtung hat mir wirklich Spaß gemacht“, berichtet der ehemalige Leistungssportler. An der englischen Hochschule konnte der Ruderer die kleinen Kursgrößen, die individuelle Betreuung und die traditionelle Atmosphäre genießen.

Als Thorsten Streppelhoff 1996 seine sportliche Karriere und zwei Jahre später sein Maschinenbau-Studium an der Ruhr-Universität Bochum beendete, zeigte sich, dass er auch im Beruf die wirtschaftliche Richtung seines Cambridge-Diplomas einschlagen würde: „Der Abschluss an der britischen Universität und die Eigenschaften, die ein Leistungssportler mitbringt, haben mir beim Berufseinstieg einige Türen geöffnet“, ist sich der Ruderer sicher, der zunächst in der strategischen Unternehmensberatung Fuß fasste. Hier seien neben den fachlichen Fähigkeiten vor allem persönliche Kompetenzen gefragt: „Als Leistungssportler lernt man zum Beispiel, auch in Stresssituationen mit unterschiedlichsten Charakteren umzugehen.“

Nach sieben Jahren in der Unternehmensberatung wechselte Thorsten Streppelhoff zum Modehändler „bonprix“, wo er zwei Jahre lang als Bereichsleiter für die Filialgeschäfte verantwortlich war. „Von dort hat es mich zu meinem jetzigen Job gezogen“, berichtet der Geschäftsführer des deutschen Schreibwarenherstellers „edding“.

Geschäftsführer eines internationalen Konzerns
Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt weltweit 620 Mitarbeiter an 14 Standorten in elf Ländern und hat im Jahr 2011 einen Umsatz in Höhe von 111 Millionen Euro erwirtschaftet. „Bei edding bin ich zuständig für den Vertrieb und die sogenannte Supply Chain, also für Einkauf, Produktion und Logistik. Neben dieser funktionalen Verantwortung zählen auch die generelle Unternehmensführung, Strategieentwickung sowie Koordination unserer Tochtergesellschaften zu meinen Hauptaufgaben“, erläutert der Geschäftsführer.

Vom Hauptsitz des Unternehmens in Ahrensburg pendelt der ehemalige Leistungssportler ins circa 25 Kilometer südlich gelegene Hamburg, wo er mit Frau und Kind wohnt. Hier trifft er sich noch regelmäßig mit seinem früheren Mannschafts-Kollegen Dirk Balster.

Ruderkarriere mit zahlreichen internationalen Erfolgen
Auch mit Peter Hoeltzenbein hat der ehemalige Leistungssportler noch heute engen Kontakt. Die beiden Ruderer hatten sich nach dem gemeinsamen Jahr in England im Frühjahr 1994 im Zweier ohne Steuermann für die Weltmeisterschaft in den USA qualifiziert und die Silbermedaille hinter den Ruderlegenden Steven Redgrave und Matthew Pinsent geholt.

Zu den internationalen Erfolgen seiner sportlichen Karriere zählt der Ruderer außerdem die Bronzemedaille im Deutschland-Achter bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona – „das einzige Rennen, das wir in diesem Jahr verloren hatten, damals eine herbe Enttäuschung“. Vier Jahre später in Atlanta sollte es immerhin olympisches Silber werden: „Das war ein schöner Abschluss meiner Ruderkarriere.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Ruderer außerdem der Weltmeistertitel von 1993 in Tschechien. Nach einem Unfall bei der Anreise war das Team stark angeschlagen: „Viele waren verletzt, mussten sogar genäht werden“, erzählt Thorsten Streppelhoff. Mit großer Anstrengung habe die Mannschaft sich über den Hoffnungslauf für das Finale qualifiziert. „Als dann im Finale das Boot kurz vor der 1.000 Meter Marke richtig angesprungen ist und wir uns mit einem tollen Zwischenspurt fast eine Länge absetzen konnten, fühlte sich das fast wie fliegen an!“

16.05.12 I Interview: Lena Reil