Eilte Plus - "Der Sporthilfe unendlich dankbar"


Kristof Wilke (rechts) mit Florian Mennigen bei der WM 2011 in Bled.
Foto: Detlev Seyb/meinruderbild.de

 
 

Sie sind einer von insgesamt 34 deutschen Medaillenhoffnungen, die im Rahmen der Förderung „Elite Plus“ von der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) maximal 18 Monate lang jeweils 1.500 Euro zusätzlich bekommen, um sich optimal auf die Sommerspiele 2012 in London vorzubereiten. Spätestens mit dem dritten WM-Sieg in Folge jüngst in Bled/Slowenien haben Sie Ihre Einstufung in „Elite Plus“ mehr als gerechtfertigt. Welchen Wert hat dieses erstmals aufgelegte Stipendium für Sie?
So kann ich mich voll auf den Sport konzentrieren und die Uni runterschrauben. Eingeschrieben möchte ich an der Bochumer Ruhr-Uni zwar weiterhin bleiben, wo ich im sechsten Semester Sport und Biologie auf Lehramt studiere, weil ich das als ´geistige Alternative´ für mich brauche. Aber ich muss nur dann etwas machen, wenn neben dem Training und der Olympiavorbereitung wirklich Zeit dafür bleibt. Der Sport hat Priorität und hat mich jetzt erst einmal voll im Griff. Wobei es für mich nicht zuerst darum geht, unendlich mehr zu trainieren. Der größte Vorteil ist, dass man nach den einzelnen Einheiten bessere Regenerationsphasen hat und nicht immer gleich an die Uni hetzen muss. Dank `Elite Plus´ hat man mehr Power für die nächste Trainings-Einheit und kann sie viel besser angehen. Für dieses Stipendium und viele andere Hilfeleistungen bin ich der Sporthilfe unendlich dankbar.

Wie viele Trainings-Kilometer absolvieren Sie pro Saison?
Ehrlich gesagt, habe ich das übers Jahr noch nie addiert. Sicher würden da erstaunliche Werte herauskommen. Die Trainer sagen, in einer guten Woche machen wir etwa 250 Kilometer auf dem Wasser. Die langfristige und kontinuierliche Vorbereitung ist im Rudersport besonders wichtig. Vor den Olympischen Spielen in Peking hatten wir es dann mit Hau-Ruck-Aktionen probiert. Das ging gründlich schief. Zwar haben wir da auch große Umfänge gemacht und ich dachte, es ist viel, aber danach ist das Pensum bestimmt noch etwa um ein Drittel größer geworden.

Mit dem letzten Platz sind Sie bei den Spielen in Peking mit dem Achter förmlich untergegangen. Hätten Sie nicht am liebsten hingeschmissen?
Im ersten Moment ist es wirklich bitter gewesen, auch weil wir vom A-Kader in den B-Kader zurückgestuft wurden. Doch ich war im Jahr zuvor noch in der Altersklasse U23 unterwegs und froh, überhaupt den Sprung ins Team geschafft zu haben. Ich hatte mich intensiv nur ein Jahr lang auf Peking fixiert. Für Andere war es viel schlimmer, weil sie einen ganzen olympischen Zyklus einzig auf dieses Ziel hingearbeitet hatten. Außerdem konnte ich als junger Ruderer leichter nach vorn auf die nächsten Spiele blicken, so dass ich relativ schnell wieder Spaß an meinem Sport gefunden habe.

Nach der Olympia-Pleite gewann der Achter 2009, 2010 und nun 2011 dreimal in Folge WM-Gold und landete 30 Regatta-Siege in Folge. Wie ist ein solcher Aufstieg von Null auf Einhundert zu erklären?
Alteingesessene Strukturen wurden schnell überwunden und das Leistungskriterium als das entscheidende und wichtigste rückte wieder in den Fokus. Keiner hatte mehr seinen Platz sicher und wir haben, wie schon erwähnt, seit 2009 viel mehr trainiert. Als besonders glücklicher Umstand kam hinzu, dass sich am Bundesstützpunkt in Dortmund eine Gruppe von Typen mit ganz besonderen und kompatiblen Charaktereigenschaften zusammenfand. Jeder entwickelt einen unheimlichen Ehrgeiz und ist mit großer Disziplin bei der Sache, jeder kann sich täglich an der Form des anderen orientieren. Im täglichen Training ist unheimlich viel Zug drin. So pushen wir uns gegenseitig.

Im enttäuschenden Peking-Achter saßen Sie auf Sieben, bei den WM-Siegen 2009 und 2010 auf Vier und Drei und beim WM-Gold in diesem Jahr sind Sie auf Schlag gewesen. Ist das die schönste Position im deutschen Rudersport?
Natürlich bin ich froh über dieses Vertrauen. Andererseits sehe ich das relativ nüchtern. Ohne die anderen Sieben im Boot, den Steuermann und eine gute Truppe geht nichts. Alle müssen mitziehen, ich bin auf die Anderen angewiesen. Mein primäres Ziel ist es, überhaupt einen Platz in diesem Achter zu behaupten – egal auf welcher Position.

19.09.11 I Interview: Andreas Müller/Sporthilfe