Im Vorjahr gewann der Deutschland-Achter in Henley: Bundestrainer Ralf Holtmeyer betrachtete ausgiebig den großen Pokal. Schließlich ist er als Trainer in Henley noch ungeschlagen
| Der Deutschland-Achter ist 13 Monate vor Beginn der Olympischen Spiele 2012 noch einmal zu Gast in Großbritannien: Bei der traditionsreichen Henley Royal Regatta will das Flaggschiff des deutschen Sports den Titelgewinn um den Grand Challenge Cup verteidigen. Gegner im Halbfinale am Samstag ist der Nationalachter aus den USA. Im zweiten Halbfinale treffen Großbritannien und Australien aufeinander. Die Halbfinal-Sieger fahren dann am Final-Sonntag um den Cup. Die Rennzeiten werden erst am jeweiligen Vortag festgelegt.
Nach verschiedenen Besetzungen bei den Weltcupsiegen in München und Hamburg hat sich Bundestrainer Ralf Holtmeyer auf diese Achter-Formation festgelegt: Kristof Wilke (RC Undine Radolfzell), Maximilian Reinelt (Ulmer RC), Lukas Müller (RC Germania Düsseldorf), Richard Schmidt (RV Treviris Trier), Florian Mennigen (Ratzeburger Ruderclub), Eric Johannesen (RC Bergedorf Hamburg), Andreas Kuffner (Berliner Ruder-Club), Gregor Hauffe (RTHC Bayer Leverkusen), Steuermann Martin Sauer (Berliner Ruder-Club).
Sieben der neun Sportler waren schon im vergangenen Jahr dabei, als der Deutschland-Achter nach Siegen über Kanada und Neuseeland den prestigeträchtigen Pokal in die Höhe reckte. Andreas Kuffner und Eric Johannesen starten erstmals bei der Henley-Regatta, der neben dem Boat Race zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge traditionsreichsten Ruderregatta der Welt. „Das ist ein außergewöhnliches Ereignis, bei dem man vom Start bis ins Ziel von den irre vielen Zuschauern angefeuert wird. 2010 war Henley neben der WM in Neuseeland das Highlight des Jahres“, sagt Schlagmann Kristof Wilke.
Der Grand Challenge Cup, den der Deutschland-Achter an diesem Wochenende gewinnen möchte, ist seit Beginn der Regatta im Jahr 1839 im Programm. Seit 160 Jahren steht die Regatta unter der Schirmherrschaft des englischen Königshauses und heißt seitdem Henley „Royal“ Regatta. Windsor liegt um die Ecke, so dass auch Mitglieder des Königshauses die Gelegenheit nutzen, sich die Regatta persönlich anzuschauen.
Die Henley Royal Regatta ist seit jeher ein gesellschaftlicher Anlass und dabei bei weitem nicht so kommerzialisiert wie Wimbledon oder Ascot. Tradition wird groß geschrieben. Damen tragen Hüte zu ihren Kleidern, die das Knie bedecken müssen. Männer dürfen ihre Blazer nur dann ausziehen, wenn die Regattaleitung dies wegen übermäßiger Hitze gestattet. Das kam in der 171-jährigen Geschichte der Regatta indes erst drei Mal vor.
Die Tickets für die sogenannte Stewards Enclosure, dem feinen Zuschauerbereich im Zielbereich, sind nicht frei verkäuflich. Dieses Recht ist den Mitgliedern der Stewards Enclosure vorbehalten. Um hier Mitglied zu werden, muss man eine Wartezeit von bis zu zehn Jahren in Kauf nehmen. Die ehemaligen Ruderer erkennt man oft daran, dass sie Blazer und Krawatten in bisweilen sehr bunten Farben ihrer Klubs tragen. Mitglieder des weltberühmten in Henley beheimateten Leander Club sind daran zu erkennen, dass sie pinkfarbene Socken tragen.
30.06.11 I von Carsten Oberhagemann
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