"Olympia fest im Blick" - Holtmeyer-Interview
| Seit zwei Wochen und noch bis Sonntag befinden sich die Ruderer aus dem Männer-Riemenbereich im Trainingslager in Italien. Im etwa 80 Kilometer südlich von Rom gelegenen Küstenörtchen Sabaudia bitten die Trainer um Bundestrainer Ralf Holtmeyer täglich mehrfach zum Training. Der 54-jährige Erfolgstrainer hat nachgerechnet: 70 Wochen seines Trainerlebens hat er schon in Sabaudia verbracht. Ralf Holtmeyer im Interview. Wie ist das Wetter im Italien? Ralf Holtmeyer: Es ist wechselhaft. Ein Tief hat sich hier am Mittelmeer lange festgehalten. Es hat teilweise sehr stark geregnet, so dass wir ein paar Einheiten nach drinnen verlegen mussten. Aber heute habe ich noch keine Wolke am Himmel entdeckt. Es ist sonnig. Man merkt, dass es hier langsam Frühling wird. Konnte denn das Trainingspensum nach Plan durchgezogen werden? Ja, wir haben ja für solche Situationen Ergometer dabei. Im konditionellen Aufbau setzen wir das um, was wir uns vorgenommen haben, auch wenn wir am Ende von den angestrebten 250 Kilometern auf dem Wasser vielleicht nur 220 oder 230 schaffen werden. In welchen Booten geht’s denn raus auf den Lago di Sabaudia? Morgens grundsätzlich im Zweier und am Nachmittag dann im Achter oder Vierer. Vom Verhältnis würde ich sagen: 60 Prozent im Zweier, 40 Prozent im Vierer und Achter. Wir sind ja im Aufbau und haben im April die Zweier-Wettkämpfe in Leipzig und Köln. Wie viele Ruderer haben Sie denn mitgenommen nach Sabaudia? Wir haben 24 Sportler dabei. Für mich ist es wichtig, dass wir in diesem Jahr neben einem starken Achter auch einen stabilen Vierer hinbekommen. Und wie groß ist der Kreis an Sportlern, die hierfür in Frage kommen? Wir haben sechs, sieben leistungsstarke Zweier mit internationalem Standard. Also: 14, vielleicht sogar 16 Ruderer, die sich anbieten. Etwa 500 Tage sind es noch, bis in London das olympische Feuer entfacht wird. Die Vorbereitung auf Olympia hat begonnen, oder? Ja, klar. Drei Monate vorher braucht man ja nicht mehr anfangen. Ich habe Olympia fest im Blick. Wir haben begonnen, Richtung London zu trainieren. Ich sage ja immer: Es gibt zwei nacholympische Jahre und zwei olympische Jahre. Die Engländer haben im vergangenen Jahr schon Vollgas gegeben, aber die anderen Nationen wie auch wir beginnen jetzt. Schließlich geht es bei der diesjährigen WM in Bled ja auch um die Olympia-Qualifikation. Die wollen alle schaffen und man merkt, dass das Niveau deutlich anzieht. Entsprechend steigern Sie auch das Trainingspensum... Ja. Wir trainieren hier in Sabaudia im Zweieinhalb-Tage-Rhythmus mit bis zu drei Einheiten am Tag. Jeder dritte Nachmittag ist frei. Insgesamt kommen wir auf 25 Stunden in der Woche, gehen neben dem Rudertraining zweimal pro Woche in den Kraftraum und steigen zweimal pro Woche aufs Rennrad. Heute wollen wir – wenn es das Wetter zulässt – endlich auch mal zur Abwechslung Fußball spielen. 09.03.11 I Interview: Carsten Oberhagemann |


