Deutschland-Achter verteidigt WM-Titel

Glänzendes Gold: Sebastian Schmidt (von links), Toni Seifert, Kristof Wilke und Maximilian Reinelt.

Medaillenpräsentation: Martin Sauer (hinten von links), Lukas Müller, Richard Schmidt, Florian Mennigen, Gregor Hauffe, Sebastian Schmidt (kniend von links), Toni Seifert, Kristof Wilke und Maximilian Reinelt mit dem DRV-Präsidenten Siegfried Kaidel.

Jubel bei der Siegerherung.



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Da kannte die Freude keine Grenzen mehr: Unmittelbar nach der Zieldurchfahrt standen Schlagmann Sebastian Schmidt und Lukas Müller auf und umarmten sich herzlich. Auch Martin Sauer wollte hoch zum Jubeln, doch er geriet aus dem Gleichgewicht und plumpste in den Karapiro-See. Bei seiner Titelverteidigung in Neuseeland ging der Steuermann des Deutschland-Achter ausnahmsweise mal vor der Siegerehrung baden. Viel Spaß hatte die Mannschaft bei der Siegerehrung, als die Nationalhymne erklang und die Ruderer nach dem kräftezehrenden Rennen lautstark “Einigkeit und Recht und Freiheit“ intonierten.

Das große Achter-Finale, das den Höhepunkt einer jeden WM bildet, war ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei leichtem Gegenwind vom ersten bis zum letzten Schlag. Das deutsche Flaggschiff legte sich am Start direkt vor die Konkurrenz, die aber nicht locker ließ. Vor allem der britische Achter blieb hartnäckig dran und kam Platz um Platz immer näher. Doch die Crew, angefeuert von Steuermann Martin Sauer, hielt dagegen und mobilisierte gerade im Schlusssprint noch einmal alle Kräfte. Am Ende betrug der Vorsprung gut eine halbe Sekunde. Australien gewann Bronze. Auf den weiteren Plätzen folgten die Großboote aus den Niederlanden, Neuseeland und den USA.

„Wir sind jetzt seit Peking auf der 2.000-Meter-Strecke ungeschlagen. Das ist eine super Serie. Darauf darf man sich nicht ausruhen, man muss immer Respekt vor dem Gegner haben“, sagte Ralf Holtmeyer, der seine Mannschaft gemeinsam mit seinem Trainerkollegen Werner Nowak am Steg herzlich in Empfang nahm. Erst dann gab die obligatorische Abkühlung für Martin sauer. Das Team beförderte ihren Steuermann zum zweiten Mal in den Lake Karapiro, der für den Deutschland-Achter in freudiger Erinnerung bleiben wird.

Zahlreiche Glückwünsche erreichten die Mannschaft unmittelbar nach dem Rennen am anderen Ende der Welt aus der Heimat. Auch Oliver Hermes, Vorstandssprecher der WILO SE, die seit Oktober 2010 Hauptsponsor des Deutschland-Achters ist, gratulierte den Siegern im Namen der weltweiten Wilo-Mannschaft: „Wir gratulieren Ihnen herzlich zu Ihrem Sieg in den neuseeländischen Gewässern. Wilo ist stolz, ein so erfolgreiches Team unterstützen zu können. Wir freuen uns besonders, dass der Auftakt unseres Sponsorings direkt mit einem WM-Sieg beginnt und hoffen, dass – nicht zuletzt dank der erfolgreichen Partnerschaft – noch viele Siege folgen.“ Hermes lobte darüber hinaus den Teamgeist, der aus seiner Sicht mitentscheidend für den ungebrochenen Erfolg der Mannschaft ist. „Der Zusammenhalt der Mannschaft war bereits im Vorfeld der WM deutlich zu spüren. Und auch die Wilo-Mannschaft hat – sozusagen als zehnter Mann im Boot – das Team nach Kräften unterstützt.“

Stimmen:

Sebastian Schmidt: „Das war ein super anstrengendes Rennen, das uns bis zum letzten Schlag alles abverlangt hat. Letztes Jahr waren es die Kanadier, jetzt waren es gleich mehrere Boote, die uns das Leben sehr schwer gemacht haben.“

Ralf Holtmeyer: „Wir haben eine sehr konstante und starke Truppe, die vor allem auch in Krisenzeiten mannschaftlich geschlossen ist. Ich sehe auch Reserven dahinter. Wir haben einen guten Kader. Jetzt beginnt die Olympia-Vorbereitung, im nächsten Jahr müssen wir uns für die Olympischen Spiele qualifizieren. Wir wollen jetzt mal bescheiden bleiben und weitermachen getreu dem Motto: Bleibe bescheiden im Sieg und gelassen in der Niederlage. Wir haben heute das gebracht, was wir können. Also stark begonnen und die Spurtfähigkeit hat sich am Ende auch ausgezahlt. Die Engländer waren heute der erwartet starke Gegner, aber wir konnten unser Stärke auf den ersten 500 Metern ausspielen. Das haben wir genutzt.“

Steuermann Martin Sauer: „Gerade auf dem mittleren Stück, wo die Briten ihre Stärken haben, sind wir sehr souverän gefahren. Danach wussten wir, dass uns auf den letzten 500 Metern nicht mehr passieren kann. Da hatten wir viel Power, Wille und Leidenschaft. Man merkt, dass London näher rückt vor allem auch daran, dass die Briten stärker werden. Sie wollen ja gerade auch im Achter gut aussehen. Das schöne an einer Ära ist, dass man erst danach weiß, dass man dabei war. Zu einer neuen Ära gehören aber mehr als zwei gute Jahre. Mindestens ein ganzer Olympiazyklus, wenn es geht sogar noch mehr.“

Maximilian Reinelt: „Zum ersten Mal Weltmeister geworden. Das ist der Wahnsinn. Wir sind rausgefahren, wie die Wahnsinnigen. Bei 500 Metern haben einen Todesspurt gemacht und dann sind wir nur noch vor den anderen hergefahren. Bei 1.000 Metern hat Gregor seinen Todesschrei losgelassen – und dann haben wir nur noch draufgetreten bis zum Ende.“

Kristof Wilke: „ Das war ein extremes Rennen. Noch haben wir die Schnauze vorne. Die Konkurrenz schläft nicht, das hat man hier deutlich gesehen. Wir möchten uns ausdrücklich auch noch einmal bei der Deutschen Sporthilfe bedanken. Sie haben es möglich gemacht, dass uns Thorsten Ammann als Therapeut hier in Neuseeland betreuen konnte und für die Rennen präpariert hat. Das war sehr wichtig.“

Richard Schmidt: „Die Briten werden bis London 2012 noch richtig harte Konkurrenten werden. Das sind Mannschaften, die uns ärgern können. Unser Ziel ist Olympia-Gold. Dafür trainieren wir und machen das Ganze. Die Weltmeisterschaften sind nur Zwischenschritte bis dahin. Für mich zählt eigentlich nur London 2012.“

Achter, Finale: 1. Deutschland (Gregor Hauffe, Maximilian Reinelt, Kristof Wilke, Florian Mennigen, Richard Schmidt, Lukas Müller, Toni Seifert, Sebastian Schmidt, Steuermann Martin Sauer) 5:33,84 Minuten, 2. Großbritannien 5:34,46, 3. Australien 5:35,96, 4. Niederlande 5:37,03, 5. Neuseeland 5:38,46, 6. USA 5:40,55.

07.11.10 | von Carsten Oberhagemann